{"id":172,"date":"2024-05-20T16:22:31","date_gmt":"2024-05-20T14:22:31","guid":{"rendered":"http:\/\/helge-goehringer.de\/?page_id=172"},"modified":"2024-05-27T17:03:45","modified_gmt":"2024-05-27T15:03:45","slug":"goya_neu","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/helge-goehringer.de\/?page_id=172","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch mit Goya"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"172\" class=\"elementor elementor-172\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-c23c191 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"c23c191\" data-element_type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-ab49d58 e-con-full e-flex e-con e-parent\" data-id=\"ab49d58\" data-element_type=\"container\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-607bc8b elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"607bc8b\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"230\" height=\"300\" src=\"https:\/\/helge-goehringer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2a-Goya-1798-1800-Selbstbildnis.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium wp-image-255\" alt=\"\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-d337e00 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"d337e00\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<figure id=\"attachment_255\" aria-describedby=\"caption-attachment-255\" style=\"width: 307px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-255\" src=\"http:\/\/helge-goehringer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/2a-Goya-1798-1800-Selbstbildnis.jpg\" alt=\"\" width=\"307\" height=\"400\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-255\" class=\"wp-caption-text\">Selbstbildnis um 1800<\/figcaption><\/figure><p>\u00a0<\/p><p><strong>Sechstes Gespr\u00e4ch mit Goya.<\/strong><\/p><p>Drau\u00dfen sah es trostlos aus, Februarwetter. Pinsel und Palette waren unber\u00fchrt. Goyas Blick hing an den Meisen, die Kerne vom Fensterbrett pickten.<\/p><p>\u201eSie sollten in die Stadt gehen und Menschen sehen. Das bringt Sie auf andere Gedanken!\u201c, sagte ich.<\/p><p>\u201eWas soll ich dort! \u2013 Ihr seid so langweilig: Ihr seht alle gleich aus.\u201c<\/p><p>\u201eIm Gegenteil! So weltoffen und lebendig waren wir noch nie\u201c, erwiderte ich etwas verstimmt, \u201eWir sind ein buntes Volk geworden. So viele Nationalit\u00e4ten! So viele Sprachen!\u201c<\/p><p>Goya hauchte auf die Fensterscheibe. Als die V\u00f6gel davonstoben, antwortete er: \u201eSie wissen gar nicht, was \u201abunt\u2019 ist. Damals leuchtete die Welt! Die St\u00e4dte von heute sind zementgrau. Die Leute haben glatte Gesichter, ja. Keiner hungert, keiner lacht. Alle in gleichen formlosen Jacken. Und an den Beinen Jeans. &#8211; Selbst bei den T\u00fcrkenm\u00e4dchen sehen Jeans und Turnschuhe unter den langen M\u00e4nteln hervor. \u2013<\/p><p>Wie ich mich nach meinem Saragossa sehne! Ich meine MEIN Saragossa. Damals. Sei es nur ein verbogenes altes Weiblein, in ein Fransentuch geh\u00fcllt, ein finsterer Schmuggler mit Stiefeln, mit Dolch und Krempenhut, ein Edelmann in Gold und Spitzen zu Pferd oder ein M\u00f6nch, schmutzig und barfu\u00df mit seinem Bettelsack. Ein fremdl\u00e4ndischer Araber mit Burnus und Turban, mit krummer Nase. Es gibt keine krummen Nasen mehr! Ach, wie vermisse ich das Rauschen bunter R\u00f6cke, die Andalusierinnen mit ihrem gl\u00fchenden Lachen und ihrem Trippelschritt!\u201c<\/p><p>\u201eWir modernen Frauen definieren uns nicht \u00fcber Trippelschritte.\u201c<\/p><p>\u201eUnd damit ist auch der Charme dahin. Diese unvergleichlichen Frauen meiner Zeit.\u201c\u00a0 &#8211;<\/p><p>\u201eEs gibt mit Sicherheit ebenso so viel sch\u00f6ne M\u00e4dchen wie vor 200 Jahren.\u201c<\/p><p>\u201eAch was. Es gibt keine Frau, die ich heute noch malen w\u00fcrde\u201c, antwortete Goya grob.<\/p><p>Am liebsten h\u00e4tte ich mich mit ihm gestritten. Ich nahm mich jedoch zusammen und antwortete h\u00f6flich: \u201eDie Frauen m\u00fcssen tats\u00e4chlich sch\u00f6ner gewesen sein in Ihrer Zeit. Sie treten aus ihren Portraits heraus, duftig wie ein Sommermorgen, zart und anmutig und voller Glanz.\u201c<\/p><p>Goya kratzte sich in den etwas fettigen Locken.<\/p><p>\u201eDie L\u00e4use&#8230; was soll man machen\u201c, bemerkte er. Dann nahm er seine Brille ab und putzte sie umst\u00e4ndlich mit einem Tuch. Ohne Brille wirkte sein Blick weich und schutzlos.<\/p><p>\u201eIch sehe mir alle heutigen Bilder an. Ich interessiere mich f\u00fcr meine Br\u00fcder im Geiste. Da gehen sie nun alle auf Kunstschulen. Studierte Maler. Sie kennen die Meisterwerke in den Museen. Sie haben so viele M\u00f6glichkeiten. Und das Ergebnis? Eint\u00f6nig. Fast immer frage ich mich: ist das Malerei? Oder ist es Masche? Sie beherrschen ihr Handwerk nicht mehr, wie wir damals. Handwerk muss sein, es ist die Erdung f\u00fcr die Kunst.\u201c<\/p><p>\u201eSie meinen, sie sind K\u00f6che von Beruf, k\u00f6nnen aber nur ein Gericht?\u201c<\/p><p>\u201eJa, so meine ich es. Wir, wir fingen als halbe Kinder an, in unserem Metier zu arbeiten. Davon abgesehen lernten wir wenig. Was habe ich schon gelesen zu Lebzeiten! Das Atelier war unsere \u201eBildung\u201c: Leinen spannen, grundieren, Farbbrocken in M\u00f6rsern pulverisieren \u2013 stellen Sie sich vor, sogar Edelsteine haben wir zu Farben zerrieben. Alles musste t\u00e4glich frisch mit \u00d6l und Harz zu Paste verarbeitet werden&#8230; Es gab ja keine Tubenfarben &#8230; Eine k\u00f6stliche Arbeit, dazu der Geruch nach Terpentin und \u00d6l &#8230;. Fast noch Kinder, waren wir bereits n\u00fctzliche Handwerker. Bald schon waren wir \u00fcber das Denken hinaus &#8230; Solange man noch Gedanken an die Technik verschwenden muss, ist man ein St\u00fcmper.\u201c<\/p><p>Goya belebte sich.<\/p><p>\u201eAuch am Tage war es im Atelier nicht richtig hell. Fensterglas war ja so teuer. Schattige Ecken, aus denen ein Krug oder ein Tuch hervorleuchtete. Und das wunderbare Kerzenlicht. Ich malte gern mit Kerzenhaltern auf dem Hut, wissen Sie. &#8211; Ein br\u00e4unlicher Bolusgrund, darauf eine Kreideskizze &#8230; hauchd\u00fcnner Farbauftrag, mit den Fingern vertrieben. \u2013 Mit der Farbe werden die Proportionen aufgebaut, die erste K\u00f6rperlichkeit hebt sich aus der Fl\u00e4che heraus. Man ahnt schon die Tiefe der Augen. &#8211;<\/p><p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-81 size-full\" src=\"http:\/\/helge-goehringer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/2-Antonia-zarate-2.jpg\" alt=\"Antonia Zarate\" width=\"284\" height=\"306\" \/>Und wieder vertreibt man den n\u00e4chsten Hauch von Farbe, vertieft die Schatten. Man versch\u00f6nt ein wenig, begradigt das N\u00e4schen, l\u00e4sst Pockennarben verschwinden und erntet leuchtenden Dank. Was f\u00fcr ein Beruf. Damals.\u201c<\/p><p>\u201eDa entwickelte sich doch sicher eine, wie soll ich sagen &#8211; transzendentale &#8211; Beziehung, zu dem Modell?\u201c<\/p><p>Goya lachte. Sein Gebiss war tadellos.<\/p><p>\u201eAch\u201c, sagte ich \u00fcberrascht, \u201efehlten Ihnen nicht einige Z\u00e4hne?\u201c<\/p><p>\u201eEtwas wollte ich von der heutigen Zeit ja auch profitieren. Es war ein begnadeter Zahnarzt. Allerdings war er ziemlich teuer, ich musste zwei Goldst\u00fccke hergeben. \u2013 -Nat\u00fcrlich war ich bei meinen Portraits fast nie verliebt, das wollten Sie doch fragen. Da bringt man n\u00e4mlich nichts Vern\u00fcnftiges zustande. \u201c<\/p><p>Er nahm die Palette auf.<\/p><p>\u201eSehen Sie, mit diesem Tupfer bringe ich Leben in den Mundwinkel. Und hier noch etwas br\u00e4unlicher Glanz. Und bitte f\u00fcr jede Farbe einen eigenen Pinsel. Nehmen Sie einfache Farben, kein Geschmier. Auch eine Mischung muss rein sein!\u201c<\/p><p>\u201eWie meinen Sie das?\u201c<\/p><p>\u201eNehmen Sie alle Farben, die Sie haben, und manschen Sie sie zusammen. Was kommt heraus? H\u00e4sslichkeit.\u201c<\/p><p>Goya nickte mir zu, ging zur Staffelei und verga\u00df den Rest der Welt.<\/p><p>(Goya, Selbstportrait mit Augengl\u00e4sern, um 1799, Mus\u00e9e Bonnat, Bayonne; Portrait der Antonia Zarate, Nat. Gallery, Dublin, Ausschnitt)<\/p><div>\u00a0<\/div><div>\u00a0<\/div>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-aab05e5 e-flex e-con-boxed e-con e-child\" data-id=\"aab05e5\" data-element_type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Sechstes Gespr\u00e4ch mit Goya. Drau\u00dfen sah es trostlos aus, Februarwetter. Pinsel und Palette waren unber\u00fchrt. Goyas Blick hing an den Meisen, die Kerne vom Fensterbrett pickten. \u201eSie sollten in die Stadt gehen und Menschen sehen. 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